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Dienstag, 28. Oktober 2014

Fotografieren mit Cinefilm XII - oder: The Profiler

Hallo zusammen und willkommen zu einer neuen Runde Cinefilm-Spaß!

Diesmal hab ich eine Rolle Vision2 500T in die Minolta CLE mit den 40mm f/2 M-Rokkor gesteckt und unter verschiedenen Beleuchtungsbedingungen Belichtungsreihen zwischen -2 und +2 Blenden gemacht.

Um die Auswertung zu vereinfachen, hab ich meinen X-Rite Color Checker Passport mitfotografiert. 

Was hat's damit auf sich?

An sich ist das Teil für die Digitalfotografie hauptsächlich im RAW-Format gedacht. Es enthält als eine Art Mäppchen eine Graukarte für Belichtungsmessung und Weißabgleich sowie zwei Farbtafeln. Eine davon ist (für mich) das Hauptmerkmal des Passports. Fotografiert man diese Farbtafel im RAW-Format, kann man diese Datei beispielsweise mit Adobe Lightroom in eine DNG-Datei umwandeln. Und genau solche DNG-Dateien frisst das mitgelieferte Programm und erzeugt daraus ein Kameraprofil. Vereinfacht gesagt, weiß das Programm, wie die Farben der Farbtafel auszusehen haben. Diese Sollwerte werden dann mit der tatsächlichen Aufnahme verglichen. So kann dann ein Kameraprofil errechnet werden, das die tatsächlich fotografierten Farben in die "richtigen" Farben umrechnet. Das Profil kann dann im Lightroom oder in Adobe Camera Raw dem (DNG-)Foto zugewiesen werden und die Farben werden richtig dargestellt bzw. beim Export in andere Formate korrekt festgeschrieben. Richtig praktisch wäre dafür jetzt noch ein kalibrierter Monitor, hab ich aber nicht.

Für wen könnte die ganze Geschichte jetzt noch angenehmer sein als für Analogfotografen, die ihre Negative einscannen? Mir fällt niemand ein. Bei Dias hat man ja ein Original, an das man sich bei der Farbkorrektur des Scans halten kann. Bei Negativfilm ist das aber eine Kunst für sich, die, wie auch ich, vielen Leuten starke Probleme bereitet. 

Wie kriege ich denn farbrichtige Scans?

In der Theorie funktioniert das folgendermaßen: 

Zuerst scanne ich in VueScan eine Vorschau mit 400dpi: Modus "Transparenz", Vorlage "Farbnegativfilm", Bits pro Pixel "48 Bit RGB". Dann ziehe ich im Vorschaufenster auf dem Filmsteg einen kleinen Scanrahmen auf. Dabei sollte wirklich nur unbelichteter Filmsteg markiert sein. Dann setzte ich unter "Quelle" einen Haken bei "Belichtung halten". 

Ist Kasten auf dem unbelichteten Filmsteg aufgezogen, kann man getrost "Belichtung halten" aktivieren.

Nach einem weiteren Klick auf "Vorschau" ziehe ich wieder den gleichen, kleinen Rahmen auf dem Filmsteg auf und aktiviere diesmal unter "Quelle" die neu erschienene Box "Filmgrundfarbe halten". Damit ist nun sichergestellt, dass die Orangemaske korrekt rausgerechnet wird. Obacht: Bei veränderter Belichtung können durchaus andere Werte für die Filmgrundfarbe rauskommen! Daher ist es wichtig, immer erst "Belichtung halten" zu markieren, einen neuen Vorschauscan zu machen und dann "Filmgrundfarbe halten" zu markieren.

Anschließend ziehe ich die Markierung über dem zu scannenden Negativ auf. Dabei sollte sie lieber ein bisschen knapper ausfallen, da komplett schwarze Ränder vom Filmsteg die Automatiken von Vuescan durcheinander bringen können. Unter "Filter" kann man je nach Bedarf und Scanner die Infrarot-Reinigung aktiviere. Bei meinem Epson V500 funktioniert das auf "Stark" hervorragend, allerdings verlängert sich die Scan-Zeit deutlich. Unter "Farbe" steht die Farbbalance auf "Manuell" und für Hersteller, Marke und Typ Negativfilm habe ich "GENERIC", "COLOR" bzw. "NEGATIVE" gewählt. Alles andere hat VueScan vorgewählt, daher fasse ich es nicht an. Schließlich klicke ich noch mit Rechts auf eines der neutralgrauen Felder auf dem Color Checker, um den Weißabgleich zu korrigieren.

Jetzt kommt der Knackpunkt: Die Einstellungen unter "Ergebnis". Dazu ein Bildschirmfoto:
Mit diesen Einstellungen liefert uns VueScan ein TIFF-Bild im DNG-Container.

Wichtig sind dabei die Häkchen bei "TIFF-Datei" und "TIFF-DNG-Format". "TIFF-Profil" ist anscheinend für Farbmanagement wichtig und bettet ein ICC-Profil ein. Ob es für das aktuelle Vorhaben von Bedeutung ist, weiß ich nicht. Ich hatte es jedenfalls immer aktiviert und es hat funktioniert. Der TIFF-Dateityp "48 Bit RGB" ist sinnvoll, weil dann jeder Farbkanal mit 16 Bit statt nur 8 Bit realisiert wird. Tonwertabrisse stellen damit normalerweise keine Gefahr mehr dar.

Ein finaler Klick auf "Scannen" lässt den Scanner loseifern und nach einiger Zeit liegt das gescannte Bild bereits in positiver Form als DNG-Datei auf der Festplatte. Jetzt kommt die Software ins Spiel, die beim Color Checker Passport mitgeliefert wird bzw. heruntergeladen werden kann. Dort wird einfach per Drag'n'Drop das DNG eingelesen, auf dem der Color Checker Passport abgebildet ist. Es wird versucht, automatisch die Farbfelder zu erkennen. Alternativ kann ich mit der Maus auch nachhelfen:

Die grünen Punkte können mit der Maus verschoben werden, so dass die grünen Vierecke genau mit den Farbkästchen übereinstimmen.

Nach einem Klick auf "Profil erstellen" kann ich einen Dateinamen für das Profil sowie das Zielverzeichnis wählen, unter dem es gespeichert werden soll. Bei mir ist der Standard-Ordner "C:\Users\XXX\AppData\Roaming\Adobe\CameraRaw\CameraProfiles". Dann rödelt das Programm kurz und wenn alles geklappt hat, ist das Profil erfolgreich erstellt worden.

Jetzt wollen wir es natürlich noch anwenden. Ein Doppelklickt auf das DNG öffnet (bei mir zumindest) Photoshop und Adobe Camera Raw springt mir mit einer Bildvorschau entgegen:

In Adobe Camera Raw kann nun das erstellte Profil zugewiesen werden.

Aus einem sonderbaren Grund werden die Einstellungen hier im Bildschirmfoto alle ausgegraut dargestellt. Das liegt wahrscheinlich am Snipping Tool, mit dem ich es erstellt hab. Jedenfalls kann ich rechts unter dem Reiter "Camera Calibration" im Feld "Name" das soeben erstellte Profil auswählen und schon sollten die Farben relativ gut passen. Anschließend passe ich noch den Weißabgleich an, indem ich mit dem Pipettenwerkzeug auf eines der neutralgrauen Felder im Passport klicke. Abschließend kann das Bild natürlich im Photoshop noch weiter bearbeitet werden.

Ja Kinder, soviel erstmal zur Arbeit mit Farbprofilen beim Scannen von Filmen. Wie ich oben schon schrob, funktioniert es in der Theorie so wie beschrieben. In der Praxis sind noch einige Hürden zu meistern. Beispielsweise muss man beachten, dass keines der Farbkästchen ausgebrannt/abgesoffen ist, da das Programm sonst (logischerweise) kein Profil berechnen kann. Auch passen die Farben noch nicht 100%ig genau. Möglicherweise rührt das von der Körnung her, durch die die Kästchen nicht einheitlich gefärbt sind. Mit anderen Werten für "Helligkeit rot", "Helligkeit grün" und "Helligkeit blau" kann man den Scan für die Profilerzeugung so "hinfummeln", dass das entstandene Profil ideal zu einem "nicht hingefummelten" Scan des Negativs passt und die Farben richtiger rauskommen.

Dazu aber möglicherweise ein andermal mehr. Übrigens: Mit dem Color Checker Passport kann man hervorragend nicht nur die Durchlichtscans auf einen bestimmten Film und eine Lichtsituation hin profilieren, sondern auch den Scanner selbst für Aufsichtvorlagen. Dazu scannt man den Passport wie ein Dokument als DNG-TIFF und erstellt daraus wie gewohnt das Profil. Dieses Profil kann man dann immer zuweisen, wenn man andere Aufsichtvorlagen scannt, beispielsweise Abzüge von Bildern.

Und wieder gilt: Wenn Fragen sind, immer fragen!

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Fotografieren mit Cinefilm XI - oder: Lang, lang ist's her

Hallo liebe Leute,

lange war's hier still. Zwischenzeitlich hatte ich einfach wenig Motivation und keine Farbchemie im Haus.

Aber jetzt geht's gleich in die Vollen: Eine Belichtungsreihe mit dem Material, das ich nun schon seit ca. einem Jahr zu Hause liegen hab - dem Kodak Vision2 500T. Vom Rumliegen wird's nicht besser, deswegen teste ich, was immer mir gerade sinnvoll erscheint.

Was hab ich gemacht? Ein paar fertig abgefüllte KB-Patronen hab ich nun schon seit einiger Zeit rumstehen. Davon ist eine in meine Leica R4 mit dem 50er Summilux E55 gewandert und selbige aufs Stativ. Belichtungsmesser auf 500ASA gestellt und die Optik aus dem Fenster gerichtet. Dabei war bewölkter Himmel am Nachmittag. Filter hab ich keinen verwendet, es waren also recht blaue Bilder zu erwarten. Ausgangssituation war Blende f/2,4 bei 1/125s Belichtungszeit.

Warum hab ich keinen Filter benutzt? Ich wollte sehen, bei wie wenig Licht ich noch einigermaßen vertretbare Ergebnisse bekomme. Mit Filter bräuchte ich eben entsprechend 2/3 Blenden mehr Licht.

Entwickelt hab ich das Ganze diesmal im Rollei'schen Digibase-Kit aus den Softpacks (offiziell: "READY TO USE"). Das sind drei Softpacks drin, die Ähnlichkeit mit zu groß geratener Capri Sonne haben. Man muss nix mehr verdünnen bzw. ansetzen und man kann - anders als bei der Lagerung in Plastik-/Glasflaschen - die überschüssige Luft ganz einfach rausdrücken. Dadurch soll sich das Ganze länger halten. Der Spaß kostet dann ca. 20€ und man kann laut Herstellerangaben bis zu 14 Kleinbildfilme damit entwickeln. Leider geht mit 500ml auch wirklich immer nur einer gleichzeitig, da meine AP-Entwicklungsdose (Modell "Compact", die große) für zwei Stück bereits 650ml benötigt. Rollfilm 120 geht auch nicht, dafür bräuchte man 590ml. Rollfilm 127 würde gehen (460ml), aber der ist relativ exotisch. Der einzige solche (Farb-)Film, der mir bisher untergekommen ist, ist der Rollei Crossbird. Und der ist ausgerechnet eigentlich ein Diafilm. Egal.

Vor der Entwicklung ist wieder meine Soda-Prozedur zum Einsatz gekommen. Die Lösung war immernoch die damals angesetzte. Entwickelt hab ich diesmal bei 30°C statt 25°C (geht einfach schneller). Das Vorgehen war dann wie folgt:

  • 2min Vorwässerung
  • Sodalösung rein und gleich wieder raus
  • zweimal ca. 1 Minute mit klarem Wasser kräftig durchschütteln
  • 8min entwickeln, dabei die ersten 30s durchgehend kippen, anschließend alle 30s einmal
  • 1min zwischenwässern, dabei durchgehend kippen
  • 5min bleichen, dabei die ersten 30s durchgehend kippen, anschließend alle 30s einmal
  • 1min zwischenwässern, dabei durchgehend kippen
  • 5min fixieren, dabei die ersten 30s durchgehend kippen, anschließend alle 30s einmal
  • Schlusswässern: Einmal frisches Wasser einfüllen und 8x kippen.

Diese Schlusswässerung ist natürlich ein bisschen wenig. Allerdings habe ich den Film anschließend noch ein paar Minuten unter fließendem Wasser abgespült und RemJet-Reste entfernt. Während dem Aufräumen der Utensilien lag der Filmstreifen dann auch noch in einer Schüssel mit frischem Wasser, so dass ich davon ausgehe, dass der Fixierer ausreichend ausgespült ist.

Die Zeitangaben stammen aus dem beiliegenden Datenblatt der Chemie. Leider ist für die 30°C-Verarbeitung nur für die Entwicklung eine exakte Zeit angegeben, so dass ich die restlichen Zeiten nach Gefühl genommen hab. Hier im aphog-Forum werden "offizielle" Zeiten für alle möglichen Temperaturen genannt (8, 3 und 5 Minuten für's Entwickeln, Bleichen bzw. Fixieren). Der Vollständigkeit halber (und für's nächste Mal): Auch Verarbeitungshinweise werden genannt.

Trotzdem sind durchaus brauchbare Negative dabei rausgekommen. Meine Belichtungsreihe ist mit +-7 Blendenstufen erfolgt. Gescannt habe ich aber nur +-5, da die noch extremeren Bilder absolut nicht mehr verwendbar waren. Jemand mit größeren Scan- und/oder Bildbearbeitungskünsten holt vielleicht noch mehr raus, aber ich kann's nicht.

Plusminus fünf Blendenstufen heißt: Ich habe den Film von ISO16/13° bis auf ISO16000/43° geprügelt.  Dass da in den Extremen nicht immer was Brauchbares rauskommt, war mir von vornherein klar. Aber jetzt genug gelabert, hier sind ein paar Bilder (im zugehörigen flickr-Album sind alle elf). Zunächst mal das korrekt belichtete Bild:

Kodak Vision2 500T ohne Filter auf 500ASA belichtet
Man beachte den leicht cremigen Farbton. Man muss die Farben nach dem Scannen schon ein bisschen verbiegen. Man verzeihe mir daher die unterschiedliche Farbbalance in dieser Serie. Unter anderem habe ich auch mit Automatiken gearbeitet. Jedes Bild habe ich so bearbeitet, dass es ungefähr so wie das vorherige rauskommt. Gescannt habe ich in VueScan als 48bit-TIFF in eine dng-Datei ("Belichtung halten" & Filmgrundfarbe halten" auf ein Stück Filmsteg). Die hab ich dann in Adobe Camera RAW geöffnet. Dort musste ich bei fast allen Scans (auch den zu dunklen) die Belichtung runterdrehen, damit nichts ausfrisst. Anschließend liegt das Bild als TIFF im Photoshop vor und kann malträtiert werden. Jedes Negativ habe ich mit Staub- und Kratzerentfernung auf "Stark" mit 6400dpi gescannt, dann auf 2048 Pixel an der langen Seite runterskaliert und schließlich nachgeschärft. Das war bei den normal und reichlich belichteten Bildern notwenig, hat den ohnehin sehr körnigen unterbelichteten aber nicht unbeding gut getan.

250ASA und 125ASA sind überhaupt kein Problem; 64ASA sind abhängig von der Ausgabegröße auch noch passabel. 

Kodak Vision2 500T ohne Filter auf 64ASA belichtet
Bei 32ASA und 16ASA waren die Farben kaum noch bzw. gar nicht mehr in den Griff zu kriegen. Aus mir unbekannten Gründen nimmt auch mit zu starker Belichtung das Korn wieder zu. Ich nehme aber an, dass das durch meinen "High-End-Scanner" begründet ist.

Kodak Vision2 500T ohne Filter auf 16ASA belichtet
Jetzt geht's auf die dunkle Seite - Unterbelichtung. Bei 1000ASA wird die Sache schon körniger. Dafür war das Weiß der Garage wesentlich genauer hinzubekommen. Grundsätzlich sehr gut verwendbar. Mit weniger Nachschärfen wäre das Korn auch wesentlich weniger betont worden. 2000ASA sind schon unschöner, aber ich denke, da hätte ich noch ein bisschen was am Kontrast drehen sollen. Bei 4000ASA gehen schon sehr deutlich Details verloren. Am deutlichsten ist das am kleinen Strauch mittig im Bild zu erkennen.

Kodak Vision2 500T ohne Filter auf 4000ASA belichtet
Bei 8000ASA ist er dann kaum noch zu erkennen, um schließlich bei 16000ASA ganz im Rauschen unterzugehen. Wie schon gesagt, ist Nachschärfen bei den unterbelichteten und sowieso schon körnigen Bildern kontraproduktiv. Stattdessen wäre man denke ich mit Entrauschen besser beraten. Für die ganz Harten hier das 16000er-Bild:

Kodak Vision2 500T ohne Filter auf 16000ASA belichtet
Ein bisschen was erkennt man ja schon irgendwie noch. Farben gehen aber fast vollständig verloren. Das fällt für mich unter die Kategorie "muss man mögen". In Schwarzweiß umgewandelt und auf die Schnelle entrauscht kann man mit gutem Willen noch etwas mehr damit anfangen, aber auch nicht viel:

Kodak Vision2 500T ohne Filter auf 16000ASA belichtet in Schwarzweiß
Um aus weit über- bzw. unterbelichteten Bildern mehr rauszuholen, wäre wohl eine Pull- respektive Push-Entwicklung anzuraten. Alan Marcus erwähnt im Forum von photo.net Zeiten für das Pushen. Robert Vonk erwähnt die zugehörige Temperatur von 37,8°C. Sie sei genau einzuhalten, da man sonst Farbverschiebungen bekäme. Hier die genannten Zeiten:
  • Normalentwicklung: 3:15min
  • Push 1: 3:45min
  • Push 2: 4:15min
Vereinfacht gesagt, werden also für jede ISO-Stufe 30s addiert. Das sind ganz grob: 15% Aufschlag für eine Stufe und insgesamt 25% für zwei Stufen. Vielleicht ist das ein Ansatzpunkt für die Entwicklung bei 30°C.

Aufgefallen sind bei den Bildern mit 2000ASA, 4000ASA (ganz leicht) und 16000ASA helle Streifen. Die stammen wahrscheinlich von RemJet-Rückständen, die sich auf die Emulsion gelegt haben. Die unterbelichteten Bilder waren hinten auf dem Film. Möglicherweise sollte man den Film also nicht komplett vollschießen.

Ja, das war's erstmal wieder für heute. Ich versuche, in nächster Zeit wieder öfter was zu schreiben. Wie immer gilt: Wenn Fragen sind, immer fragen!

Sonntag, 5. Januar 2014

Fotografieren mit Cinefilm IX - oder: Der Filter-Flirter

Freunde der Sonne, ein glückliches und gesundes neues Jahr euch allen!

In der Zwischenzeit war ich fleißig und habe mittlerweile insgesamt fünf Filme in meinem Digibase-Kit entwickelt, das ich am 24. November angesetzt habe. Es tut noch einwandfrei. Den letzten habe ich einfach mal "verknipst", weil ich mir nämlich ein Konversionsfilterset habe kommen lassen:

Blaupunkt-Konversionsfilterset von ebay für keine 5€ inkl. Versand.

Enthalten sind die vier Filter KR2, KR3, KR6 und KR9 mit 55mm Filtergewinde und ein Adapterring von 55mm auf 52mm. Das ganze kam in diesem schmucken Mäppchen und einer Anleitung. Das 500T-Datenblatt verlangt für Tageslichtaufnahmen ja einen 85er-Filter; laut Wikipedia entspricht das einem (K)R12. So einer ist zwar nicht im Set, aber durch Kombination von KR3 und KR9 kommt man genauso hin.

Ich habe dann mit der F4, dem 35mm f/2 AI-s und dem 75-150mm f/3,5 E (beide mit 52er-Filtergewinde) einen Testfilm vollgeschossen. Jedes Motiv ist zweimal drauf - zuerst mit den Filtern, dann ohne. Verwendet habe ich Zeitautomatik und die mittenbetonte Integralmessung. Zu beachten ist, dass der Film bei der Verwendung im Tageslicht nur wie ISO 320/26° zu belichten ist. Also jedesmal Filter aufschrauben, 320 ASA einstellen, Foto machen, Filter runter, 500ASA einstellen Foto machen und wieder von vorne... FALSCH! Siehe unten.

Entwickelt habe ich den Film dann mit Hilfe meiner im letzten Artikel beschriebenen Vorbehandlung. Und siehe da: Die Soda-Prozedur scheint keinen Einfluss auf die Emulsion und somit die Bildqualität zu haben. Des Weiteren ging die RemJet-Schicht auch hervorragend ab. Als der Film zum Trocknen hing, habe ich ihn nochmal vorsichtig mit einem nassen Waschlappen abgezogen und es kamen wirklich nur noch ganz wenige Rückstände zum Vorschein. Den "Soda-Prozess" werde ich auf jeden Fall genau so weiterführen.

Die Negative sind schon eingescannt und liegen wieder auf flickr. Schaut gerne mal rein, um euch ein Bild zu machen, was die Filter so bringen. Sehr interessant finde ich den Vergleich der Bilder mit dem weißen Scannerhintergrund:

Mit Filter

Ohne Filter

Wer mag, kann sich gerne mal daran versuchen, in Photoshop oder einem anderen Programm die Farben des Bildes ohne Filter denen des Bildes mit Filter anzupassen. Ich habe es mit meinen bescheidenen Kenntnissen nicht hingebracht. Lasst es mich gerne wissen, denn wenn man die Filter nicht unbedingt braucht, bin ich darüber auch nicht wirklich böse. Schließlich frisst ein KR12 schon 2/3 Blenden und zudem kann der Film nur noch auf 320 ASA belichtet werden. Zusammengerechnet sind das 4/3 Blenden und ich bin bei einem 200er-Tageslichtfilm gelandet. Großes Kino. Nachtrag vom 07.01.2014: Der KR12 bzw 85er frisst tatsächlich 2/3 Blenden. Dabei wird lediglich ein Teil des blauen Lichts geschluckt, deshalb sieht die Welt durch den Filter auch "wärmer" aus. Die blauempfindliche Schicht des Films bekommt dadurch weniger Licht, die Empfindlichkeit ändert sich jedoch nicht. Also: Nächstes mal die Empfindlichkeitseinstellung an der Kamera auf 500 ASA lassen, auch mit Filtern vor der Linse!

Die 2/3 Blenden Überbelichtung bei den Bildern mit Filter durch die Einstellung von 320 ASA statt 500 ASA an der Kamera hat anscheinend die Scannerautomatik ausgeglichen.

Wenn ich die Zeit finde, will ich demnächst mal in ein Minilab gehen und dort Abzüge machen lassen. Ich bin gespannt auf die Qualität.

Das war's jetzt erstmal wieder von meiner Seite. Wenn ihr Informationen habt, immer her damit. Ansonsten gilt wie jedes mal: Wenn Fragen sind, immer fragen.

Freitag, 29. November 2013

Fotografieren mit Cinefilm VI - oder: Der Weg ist das Ziel

Hallo zusammen! Kaum drei Tage her, kommt auch schon der nächste Artikel.

Ich habe es nämlich jetzt geschafft, alle Negative zu scannen und mir dabei auch etwas mehr Mühe zu geben. 31 Bilder sind es geworden, inklusive der fünf aus dem letzten Artikel. Die habe ich auch nochmal eingescannt und mit etwas gutem Willen kann man deren Qualität jetz auch als besser bezeichnen. Um den ganzen Blog hier nicht mit unendlich vielen Bildern zuzustellen, habe ich alles in ein flickr-Album gepackt. Da auch ein paar Fotos von Personen dabei waren, habe ich nicht alle veröffentlicht.

Ich habe dort jedes Negativ zweimal hochgeladen. Einmal so, wie es aus dem Scanner kam und einmal in bearbeiteter Form (Weißabgleich, Kontrast etc.), bikubisch schärfer verkleinert auf 1280 Pixel auf der langen Seite. Nichts gemacht hab ich hinsichtlich Staub und Kratzern.

Bei den Scaneinstellungen habe ich diesmal die Histogrammanpassung verwendet, so dass keine Bereiche mehr absaufen oder ausbrennen. Ich habe dazu mal einen Screenshot gemacht:

Histogrammanpassung in Epson Scan

Das ist relativ praktisch bei diesem Programm: Ich kann für jedes der einzelnen Negative im Voraus alle Einstellungen treffen und dann alle auf einen Rutsch scannen. In der Histogrammanpassung habe ich den mittleren Regler (rel. Gamma?) jeweils weit an den Schwarz- bzw. Weißregler verschoben, da man so sehr gut erkennen kann, welche Bereiche abgesoffen bzw. ausgebrannt sind. Das ist auf dem Screenshot oben deutlich zu sehen. Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, Schwarz- und Weißregler so an den beiden Ecken des Histogramms zu platzieren, dass alles erfasst und nichts abgeschnitten wird. Dann verschiebe ich den mittleren Regler meistens noch irgendwo ins linke Drittel der Kurve und scanne das Bild so. Es ist dann ziemlich flau, im Photoshop kann man jedoch noch alles rausholen.

A propos Photoshop: Dort habe ich mir eine "Action" aufgenommen, die mir die immer gleichen Arbeiten wie Kontrastanpassung, Weißabgleich und Sättigung abnimmt. Zudem habe ich dadurch gewährleistet, dass jedes unter der gleichen Lichtsituation aufgenommene Bild auch exakt gleich rauskommt. So habe ich jedes Bild insgesamt viermal gespeichert, und zwar in allen Kombinationen aus bearbeitet/unbearbeitet und TIFF/verkleinertes JPEG.

Wer mag, kann sich mein flickr-Album gerne mal anschauen und natürlich auch Kommentare dazu ablassen.

Auf vielen Bildern sieht mal leider recht deutliche Schlieren bzw. auch Konturen von Perforationslöchern. Ich befürchte, da ist bei der Entwicklung hinsichtlich der Rem-Jet-Beschichtung tatsächlich etwas schief gelaufen. Vielleicht habe ich ja Glück und das lässt sich mit einer ausgiebigen, nachträglichen Wässerung noch beheben. Ich werde das mal versuchen und die Welt an meinen Erkenntnissen hier selbstverständlich wieder teilhaben lassen.

Bis dahin - wenn Fragen sind, immer fragen!

Dienstag, 26. November 2013

Fotografieren mit Cinefilm V - oder: What a Colorful World

Ja, liebe Leser, es ist vollbracht. Ich habe meine erste C-41-Entwicklung erfolgreich absolviert!

Verwendet habe ich das C-41-Digibase-Kit von Rollei. Für Interessierte gibt's hier bei maco die Verarbeitungsanleitung. Bestellt hatte ich das Mini-Kit für 500ml Arbeitslösung, das nach Herstellerangaben je nach Empfindlichkeit für 10 - 12 Filme mit 36 Aufnahmen reichen soll.

Mit der ganzen Rem-Jet-Problematik hatte ich wie im letzten Artikel bereits erwähnt zunächst vor, einen ganz normalen Farbnegativfilm zu entwickeln, der tatsächlich für C41 gebaut ist. In einem kurzen Anflug geistiger Umnachtung hatte ich allerdings schon meine beiden Filmspiralen in die AP-Entwicklungsdose geladen: Eine wie geplant mit "normalem" Film und die andere mit einem 36er-Streifen Vision2, den ich relativ schnell zu Hause und in Ilmenau, wo ich studiere, vollgeknipst hatte; belichtet auf 500 ASA und ohne Konversionsfilter.

Dem geneigten Leser fällt wahrscheinlich auf: Zwei Filme in einer Entwicklungsdose und nur 500ml Arbeitslösung? Das langt doch nicht!

Zum Glück fiel mir das auch noch rechtzeitig auf. Glücklicherweise fand sich eine ziemlich lichtdichte, schwarze Plastiktüte. In diese konnte ich eine Filmspirale aus der Entwicklungsdose packen und in der Eckbank in der Küche verschwinden lassen. Und da ich mir nicht gemerkt hatte, auf welcher Spirale welcher Film aufgewickelt war, war ab diesem Moment die große Frage: Welchen Film entwickle ich jetzt eigentlich gleich?

Egal. Irgendwas würde schon dabei rauskommen, dachte ich mir.

Die Entwicklung bei 38°C ist ja als Standard empfohlen. Allerdings habe ich mich bei den relativ kurzen Zeiten etwas unwohl gefühlt. Daher habe ich mich für die Variante mit 25°C entschieden. Mit allem Pipapo ist man dann zwar mit einer gute halbe Stunde dabei, aber dafür sind zeitliche Abweichungen im Prozess nicht ganz so tragisch. In der oben schon verlinkten Anleitung sind sogar die Zeiten für eine Entwicklung bei 20°C aufgeführt, allerdings dauert dann alleine diese schon 21 Minuten. Nicht angegeben sind dort übrigens Zwischenwässerungen zwischen den Chemiebädern. Hier im aphog-Forum hat Hartmuth Schröder jedoch eine wirklich gut geschriebene Anleitung mit den einzelnen Verarbeitungsschritten verfasst. Trotzdem folgt jetzt nochmal eine Zusammenfassung, wie ich alles gemacht habe.

Zunächst habe ich am Vorabend der Entwicklung Bleich- und Fixierbad angesetzt. Das ist relativ einfach und geht genau wie in der Anleitung. Für 500ml Bleichbad müssen 360ml Wasser auf 35 - 40°C temperiert werden und schließlich die 140ml Bleichbad-Konzentrat hinzugefügt werden. Das ganze kam dann in eine 1-Liter-Plastikflasche, wie ich sie für meine Fotochemie oft benutze (sieht ungefähr so aus, nur ohne Etikett) und die wurde schließlich noch beschriftet. Leider habe ich keine 0,5-Liter-Flaschen. In diesen wäre die Haltbarkeit der Arbeitslösung sicher besser, da es ja immer heißt, dass der Luftsauerstoff die Lösungen schneller unbrauchbar werden lässt.

Ähnlich bin ich mit dem Fixierer verfahren. 400ml auf 32 - 40°C temperieren, die 100ml Fixiererkonzentrat dazu und in eine Laborflasche füllen und diese dann beschriften.

Bevor es dann an die Entwicklung ging, habe ich noch den Farbentwickler aus Wasser und den drei Konzentraten A, B und C zusammengemischt. Dazu werden 345ml Wasser mit 49°C benötigt. Dort kommen dann von den drei Konzentraten jeweils 50ml hinein, sowie 5ml vom Starter. Und zum Schluss natürlich alles wieder in eine beschriftete Laborflasche. Komisch beim Anmischen fand ich, dass von Teil A und Teil B jeweils genau 50ml Konzentrag in der betreffenden Flasche waren. Auf der Flasche von Teil C stand als Füllmenge "50ml + 15ml". Daher habe ich sicherheitshalber die benötigten 50ml Konzentrag für jeden Teil mit einer der dem Kit beigelegten Spritzen entnommen. Teil A und B lagen meines Erachtens mit ca. 48ml Füllmenge noch im akzeptablen Bereich (vielleicht bin ich auch zu blöd, die Skala auf einer Spritze abzulesen..). In der Flasche von Teil C war nach Entnahme der 50ml auch tatsächlich noch ein kleiner Schluck drin. Liebe Rollei-Digibase-Leute, falls ihr das lest: Warum ist das so? Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Aber natürlich ist mir das eindeutig lieber, als wenn zu wenig drin wäre.

Im Anschluss habe ich im Spülbecken die Chemie auf ca. 26 - 27°C gebracht und in mehreren Messbechern Wasser für die Zwischenwässerungen temperiert und bereit gestellt. Übrigens hatte ich mich gegen die Verwendung des Stabilisator-Bades und stattdessen für eine Schlusswässerung entschieden. Mein Rezept sah also laut Anleitung und dem Text von Herrn Schröder im aphog-Forum folgendermaßen aus:
  1. 2,5min vorwässern
  2. 13min entwickeln
  3. 2min zwischenwässern
  4. 2min zwischenwässern
  5. 6min bleichen
  6. 2min zwischenwässern
  7. 7min fixieren
  8.  Schlusswässern
    1. 4x kippen
    2. 8x kippen
    3. 16x kippen
    4. 32x kippen
Alle Bäder waren vor dem Hineinkippen in die Entwicklungsdose bei ca. 26 - 27°C, um in meiner Vorstellung im Mittel bei 25°C zu liegen, bis ich sie wieder auskippe. A propos Kippen: Die Dose habe ich immer nach Anleitung alle 30s einmal gekippt. Das entspricht nicht meinem gewohnten Kipprhythmus für die Schwarzweiß-Entwicklung, aber man ist ja flexibel. Die AP-Entwicklungsdose fordert für einen 135er-Film eine Mindestmenge von 375ml Arbeitslösung. Zur Sicherheit (und weil's viel besser abzumessen ist) habe ich mich allerdings für 400ml Entwicklerlösung entschieden. Beim Bleich- und beim Fixierbad kam mir allerdings die Idee, dass ich gleich die ganzen 500ml in die Dose füllen könnte. Das habe ich dann auch gemacht, denn schließlich wird die gebrauchte Teillösung beim Zurückkippen in den Vorratsbehälter sowieso wieder mit der frischen Lösung vermischt. Da spart man sich das Abmessen.

Bestimmt ist die Frage aufgetaucht, warum ich nach dem Entwickler zweimal jeweils eine Minute zwischengewässert habe. Die Antwort folgt auf dem Fuß: Beim Ausgießen des ersten Zwischenwässerungswassers (schönes Wort) kam eine richtig graue Brühe aus der Dose gelaufen. Das war der Moment, in dem mir dann auch klar war, dass da wohl der Vision2 gerade malträtiert wird und sich hier soeben die Rem-Jet-Beschichtung verabschiedet. Da das Wasser wirklich ganz schön grau war, habe ich mich entschieden, noch eine weitere Zwischenwässerung durchzuführen. Danach kam dann auch wesentlich klareres Wasser raus. Der Entwickler hingegen sah gar nicht groß mitgenommen bzw. grau aus. Gut, ich habe auch keinen Vergleich, wie er bei normalem Farbnegativfilm aussehen müsste. Man darf gespannt sein, ob das negative Auswirkungen auf die Entwicklung des eingetütet bereit liegenden, "regulären" Films haben wird.

Nach den gefühlt ewig dauernden Schlusswässerungen war der Puls dann auch endlich erhöht und ich konnte die Dose öffnen, um den Film zu begutachten. Der erste Anblick: Eine ganz schön schmutzige Filmspirale. Das mussten wohl Reste von Rem-Jet sein.


Die Filmspirale von oben...

... und von der Seite/innen

Zunächst habe ich das Teil im Ganzen nochmal unter fließendes Wasser gehalten, um mit dem Strahl vielleicht noch den einen oder anderen Dreck abspülen zu können. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, sei angemerkt. Nachdem ich die Spirale also geöffnet hatte, bot sich mir folgendes Bild auf dem gesamten Film:


Gemeint ist zum Glück nicht, dass überall unbelichtete Aufnahmen wären.

Überall auf dem Streifen waren noch fleckige Reste vom Rem-Jet zu finden. Deshalb musste ich dem Film unter fließendem Wasser nochmal zuleibe rücken und die Beschichtung mit den Fingern abreiben. Zum Glück hat sie sich zumindest meiner ersten Untersuchung zufolge nicht auf der Emulsionsseite abgesetzt. Auf manchen der Negative konnte ich ein paar dunkle Stellen erkennen, bei denen ich leider nicht genau sagen kann, ob sie vom Motiv herrühren oder ob sich leider doch etwas Rem-Jet eingelagert hat.

Zunächst habe ich den Film dann zum Trocken aufgehängt und im Anschluss die Gerätschaften wieder gereinigt. Meine Filmspirale wurde leider nicht wieder ganz sauber. Weiß jemand, ob man die bedenkenlos in die Spülmaschine packen kann? Mit Spülmittel geht der Dreck leider nicht ab, aber damit habe ich die Rem-Jet-Beschichtung auch nicht von einem Stück unentwickeltem Film entfernen können. Vielleicht muss ich einfach nochmal auch hier mit der Seife aus dem Bad ran. Die scheint ja Wunder zu wirken.

So. Genug gelabert, jeder will Ergebnisse sehen. Gescannt habe ich am nächsten Tag einen Streifen, nachdem ich den gesamten Film zusammengeschnitten habe, um ihn in eine Archivierungshülle zu packen. Bitteschön:

Bild 1

Bild 2

Bild 3
Bild 3 nach Bearbeitung


Bild 4

Bild 5 (leicht bearbeitet)

Wer jetzt entsetzt ist, darf das auch ruhig sein. Die Bilder sind wirklich nur für einen ersten, ganz groben Überblick mit nicht wirklich guter Qualität gescannt. Also bitte die Körnung und den Staub etc. nicht ganz ernst nehmen. Davon abgesehen ist mein Scanner auch nicht wirklich der beste (Epson V500). Für die allererste Begutachtung tun's die Scans aber meines Erachtens.

Mein erster Eindruck (die Körnung außen vor gelassen) ist: Ich bin begeistert! Das ist für außen Stehende möglicherweise nicht wirklich nachvollziehbar, aber ich bin zufrieden, den ganzen Prozess so hinbekommen zu haben, dass am Ende auch wirklich farbige Bilder rausgekommen sind.

Jetzt mal zu den einzelnen Bildern:

Bild 1 und 2 sind auf einem Parkplatz in Ilmenau unter dem Licht einer Natriumdampflampe aufgenommen worden. Diese strahlen nahezu monochromatisches Licht mit einer Wellenlänge von 690nm aus. Umgerechnet auf die Farbtemperatur sind das etwa 4200K. Da der Vision2 500T für 3200K entwickelt wurde und ich dem Scanner einfach erstmal freie Hand bei der Farbbalance gelassen habe, kommt das weiße Auto auch tatsächlich relativ weiß raus. Das denkt man kaum, wenn man sich das knallorangene Licht anschaut, das diese Natriumdampflampen raushauen. Außer der Körnung und einem Staubfaden fallen besonders am linken Rand des Bildes aber leider noch helle Flecken auf. Meine Befürchtung ist, dass sich hier noch Rem-Jet festgesetzt hat. Schließlich ist der dunkel und kommt somit bei der Umkehrung heller raus. Mit etwas Glück habe ich nur nicht alles von der Filmrückseite erwischt. Mit etwas Pech hat sich der Dreck aber in die Emulsion eingelagert und ist ohne Schaden kaum mehr zu entfernen. Dann muss tatsächlich ein Bad vor dem eigentlichen Entwicklungsprozess her, das die Schicht gut entfernt. Im Dunklen in der Badewanne zu hantieren klingt auch wieder nicht sehr attraktiv. "Schau'n mer mal", sagt der Beckenbauer. Das Gras im zweiten Bild erscheint auch einigermaßen grün und kann mit ein bisschen Bildbearbeitung sicher auch dem Original nahe kommen. Man sieht meines Erachtens auch, dass die Empfindlichkeit von 500 ASA eigentlich ganz gut erreicht wird.

Bild 3 habe ich der Scannerautomatik eigentlich komplett überlassen. Als Vergleich habe ich das Bild ad-hoc mal so bearbeitet, wie ich die Szene in Erinnerung hatte. Man sieht, dass der Film bei Tageslicht wirklich viel zu kalt wirkt. Der 85er-Konversionsfilter wird also nicht umsonst empfohlen. Auf Grund des hohen Kontrastumfangs der Szene ist sowohl der Himmel ausgebrannt als auch das (sämtliches einfallendes Licht schluckende) Fell von unserem Kater Maxi abgesoffen. Und wie immer sieht man: Je dunkler eine Bildpartie ist, desto körniger erscheint sie.

Bild 4 ist nochmal komplett unbearbeitet so wie frisch aus der Scannerautomatik. Auch hier: Körnig, staubig, bläulich.

Bild 5 habe ich geringfügig bearbeitet. Den Graupunkt habe ich auf den Teppich im oberen rechten Bildeck gesetzt, da der Teppich auch wirklich einfach nur grau ist. Dadurch konnte ich den bläulichen Farbstich beseitigen. Anschließend habe ich noch die Sättigung erhöht, mehr nicht. Auch hier sieht man auf der Filmdose leider wieder helle Flecken, die vermutlich vom Rem-Jet kommen. Aber ansonsten finde ich das Ergebnis durchaus ansehnlich und relativ realistisch.

Am besten zu sehen ist bei Bild 5 und bei der bearbeiteten Version von Bild 3 leider auch ein Kratzer, der sich wohl anscheinend über den ganzen Film zieht. Aber was solls, beim ersten mal gelingt schließlich selten alles gleich perfekt.

Ich denke, mit etwas mehr Herzblut beim Scannen oder gar beim Print aus dem Minilab könnte da war wirklich Gutes rauskommen. Bei Gelegenheit werde ich auf jeden Fall noch ein paar Übersichtsscans von den restlichen geschnittenen Filmstreifen anfertigen und ggf. auch mal etwas mehr Arbeit in ein, zwei "bessere" Bilder stecken. Dann gibt's wieder einen Artikel hier. Bis dahin gilt wie immer: Wenn Fragen sind, immer fragen.